Der Ehrgeizige

Norbert-Niederkofler-05-©Daniel-Töchterle

Die Natur gibt einem alles, was man braucht. Mit diesem Credo hat es Norbert Niederkofler in den Gourmet-Olymp geschafft. Das Porträt eines von den reinen Geschmäckern seiner Berge Besessenen.

von Roman Gasser

Er liebt die Natur in ihrer Reinheit und der daraus resultierenden Qualität. Seine Gerichte können viele spannende Geschichten erzählen. Er trinkt gerne Sauvignon. Sein absoluter Lieblingsort ist seine Küche – und zwar nur seine. Seine Küche ist ein Tempel der Gourmet-Kreativität, der Geschmäcker und der enormen Vielfalt.

Er strebt nach Perfektion. Und sein Ziel bleibt immer dasselbe – etwas Einzigartiges zu schaffen.

Nun hat Norbert Niederkofler, der Küchen-Genius, einen weiteren Michelin-Stern erhalten, den dritten!

Das Restaurant St. Hubertus ist damit das erste Drei-Sterne-Lokal Südtirols. Und der Chef-de-Cuisine Norbert Niederkofler zählt jetzt definitiv zu den besten Köchen der Welt.

Für Norbert Niederkofler war die Küche bereits im Kindesalter der wichtigste Ort im Haus und der schönste Platz auf dem Planeten.

Er erbte die Leidenschaft für das Kochen von seinem Vater.

Aufgewachsen in Luttach im Ahrntal, entwickelte er schon sehr früh eine Faszination für Qualitätsprodukte, die er dann am Herd perfekt zu einem Meisterwerk kombinierte und kreierte. Mit 18 Jahren hatte er ein großes Ziel vor Augen: er wollte die Welt entdecken – und Koch werden. Es gelang ihm beides zu vereinen und umzusetzen.

Sein Erfolgsrezept?

Norbert Niederkofler ist ehrgeizig. Er stellt sich täglich selbst in Frage, und er ist mit beiden Füßen auf dem Boden geblieben, trotz (oder gerade wegen?) der grandiosen Erfolge. Bescheidenheit ist eine seiner großen Stärken. Er sieht seinen Beruf nicht als Berufung, sondern als Lebensphilosophie. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Norbert Niederkofler lebt seine Visionen mit einem einfachen Lebens-Rezept: Man muss einen eigenen Weg finden.

Genau das hat er geschafft!

Norbert-Niederkofler-01-©Daniel-Töchterle

Norbert Niederkofler

 

Er sieht die Küche als Treffpunkt, wo Austausch stattfindet und wo geredet, gelacht und der Kreativität freien Lauf gelassen wird.

Norbert Niederkofler sieht das größte kulinarische Potential, welches wir haben, immer noch in der Natur und in ihrer Reinheit. Die Natur gibt einem alles, was man braucht – und dies zu jeder Jahreszeit – somit wird Vielfalt garantiert, so sein Credo.

Auch im ganz normalen Dorfgasthaus speist Niederkofler sehr gerne. Er fühlt sich dort  genauso wohl wie im Sterne-Restaurant. Seiner Überzeugung nach kann man überall kulinarische Glücksmomente erleben. Natürlich müssen die regionalen Produkte schön verarbeitet werden. Er sieht seinen Auftrag darin, sich jeden Tag aufs Neue um den Gast zu

kümmern. Der Gast ist König. Der Gast ermöglicht erst die Arbeit.

Die Natur ist seine Herzensangelegenheit. Seine Fundgrube. Ein Reservoir, aus dem er immerzu schöpft.

Norbert Niederkofler empfindet Südtirol als Heimat des Genusses und als Tourismusland. Deshalb sei es wichtig, die regionalen Produkte bestmöglich zu präsentieren. Er sieht die Südtiroler Küche im Allgemeinen als gelungene Mischung aus regionaler Küche mit österreichisch-ungarischem Einschlag und mediterraner Küche. Diese spezielle und einzigartige Mischung gibt es nur hier in Südtirol und unterscheidet uns von unseren Nachbarländern. Südtirol habe noch Steigerungspotential und die Qualität müsse weiter gesteigert werden – bei den Produkten, als auch im gastronomischen Angebot ist sich der Naturbursche sicher.

Norbert Niederkofler liebt es, wenn durch die vielen Auszeichnungen ein gesunder Konkurrenzkampf unter den vielen ausgezeichneten Köchen stattfindet. Laut seiner Auffassung ist der Hauptprofiteur immer der Gast. Er empfindet es als wichtig, dass der Koch sich nicht nur in  der Küche aufhält, denn sonst läuft er Gefahr, am Gast vorbei zu kochen.

Norbert Niederkofler geht im Urlaub oft auf Entdeckungsreise und besucht alle möglichen interessanten Restaurants. Denn Genussmomente sollten immer ein Erlebnis bleiben und nie zur Alltäglichkeit werden. New York ist für ihn eine interessante Stadt, dort treffen sehr viele Kulturen aufeinander, und das wirkt sich auch auf die Küche aus. Dort arbeitet auch sein guter Freund David Bouley, zu dem er gerne essen geht. Im deutschen Sprachraum ist Hans Haas einer seiner Lieblingsköche – „weil er bodenständig tolle Kombinationen zaubert“.

 

„Die Gerichte übernehmen die Persönlichkeit des Chefkochs. Jene von Norbert Niederkofler können 1001 Geschichten erzählen. Die Hauptfiguren sind die Natur, die Kultur und die reinen und intensiven Geschmäcker seiner Berge, die Passion und die tägliche Mühe der Bauern.“ (Michael Ellis)

 

 

 

 

 

 

Der größte Tag in Norbert Niederkofler bisheriger Koch-Karriere war zweifelsohne der 16. November 2017. Da wurde in Parma der renommierte Michelin-Restaurantführer 2018 für Italien präsentiert. Dabei wurden die begehrten Michelin-Sterne vergeben. Norbert Niderkofler stand im Mittelpunkt: „Norbert Niederkofler nell’Olimpo dei 3 stelle“, so der Titel der Medienmitteilung von Michelin. Norbert Niederkofler, Chefkoch des Restaurants St. Hubertus im Hotel Rosa Alpina in St. Kassian, hat seinen dritten Michelin-Stern erhalten. Der internationale Direktor von „Guide Michelin“ und Frankreich-Cheftester Michael Ellis schrieb über den Südtiroler Genius:

„Die Gerichte übernehmen die Persönlichkeit des Chefkochs. Jene von Norbert Niederkofler können 1001 Geschichten erzählen. Die Hauptfiguren sind die Natur, die Kultur und die reinen und intensiven Geschmäcker seiner Berge, die Passion und die tägliche Mühe der Bauern, die erhabene Qualität ihrer Produkte, die Traditionen und überlieferten Methoden, die Wärme der Almen, die Lust zu reisen, um zu lernen, und wiederzukommen, um seinen eigenen Lebensstil wiederzufinden, das Engagement, die Sorgfalt, die Beständigkeit, die sich mit Begeisterung und Leichtigkeit vereinigen. Bei den Gerichten von Norbert Niederkofler genießt man diese Geschmäcker, sieht man die Berge, hört man diese Geschichten. Die Begegnung mit dieser Küche ist kein Mahl, sondern eine unvergessliche menschliche Erfahrung. Für die Michelin-Inspektoren drei bewegende Sterne.“

Unmittelbar nach seinem großen Triumph meldete sich Norbert Niederkofler auf Facebook bei seinen 28.000 Fans:

„Worte können die Emotionen, die ich gerade fühle, nicht beschreiben. Ich bin mehr als glücklich und geehrt. Zuerst möchte ich meiner Mutter, meiner Frau und unserem Sohn Thomas danken. Dann natürlich bei der Familie Pizzinini, den Besitzern von St. Hubertus, meinem gesamten Küchenpersonal und all den Menschen, die mich auf meinem Weg immer unterstützt haben.“

 

„Die Natur ist seine Herzensangelegenheit. Seine Fundgrube. Ein Reservoir, aus dem er immerzu schöpft. Er empfindet es als wichtig, dass der Koch sich nicht nur in der Küche aufhält, denn sonst läuft er Gefahr, am Gast vorbei zu kochen.“

 

 

 

 

Der Tausendsassa. Norbert Niederkoflers Engagement-Liste ist lang. Bei der Jubiläum-Feier Summa im Weingut „Alois Lageder“ bereitete er zusammen mit sechs weiteren internationalen Spitzenköchen mehrere Stationen in Tòr Löwengang und Casòn Hirschprunn Gerichte für die Gäste vor. Oder auch im Getränkeladen „Harpf“, wo er öfters sein kulinarisches Meisterwerk der Kochkunst vorführt.

Auch beim Chef’s Cup in Alta Badia traten die besten Köche gegeneinander an. Es gab Kochduelle im Schnee. Dabei trat jeweils ein Lokalmatador gegen einen internationalen Spitzenkoch an. Beim Chef ’s Cup Südtirol werden Gelder für einen guten Zweck gesammelt. Oder bei der großen Märchenhochzeit von Markus Lanz im Haushotel „Rosaplina“, wo Norbert Niederkofler für die gesamte Hochzeitsgesellschaft aufkochte.

Auch seine soziale Ader spielt immer wieder eine große Rolle. Beim einen Picknick in St. Kassian wurde Geld für den Bäuerlichen Notstandfonds gesammelt.

Restaurant St. Hubertus (© Foto: Alex Filz)

Restaurant St. Hubertus (© Foto: Alex Filz)

Norbert Niederkofler tischte „Milchreis mit Marillen aus dem Vinschgau“ auf. Oder wenn es um Eigenartiges geht, Kochen in der Skihütte zum Beispiel. Unter dem Motto „Sciare con gusto“ konnte  auf den Pisten von Alta Badia auf Südtiroler Art geschlemmt werden. Norbert Niederkofler kreierte damals ganz normale regionale Skihütten-Gerichte. Oder bei den vielen Weltcup-Rennen in Alta Badia kochte Niederkofler immer mal wieder auf. Auch auf Schloss Maretsch war Norbert Niederkofler schon zu Gange. Dort gab es Gerichte von komplexer Einfachheit, immer gut begründet mit geschmackssicheren Saucen. Oder beim Golfen im Schnee in Rein in Taufers. Am Abend tischte Norbert Niederkofler mit seinem Team ein erlesenes Gala-Dinner für die erschöpften Wintergolfer auf. Auch für den Nachwuchs hat er noch Zeit, so beispielsweise für einen Koch-Event der Sonderklasse in der Berufsschule Emma Hellenstainer in Brixen. Produkte stilecht verwenden, Phantasie bei den Garnituren, neue Trends aufgreifen, so Niederkoflers Auftrag an die vielen Jung-Köche.

Der Spitzenkoch gibt sich selbst immer wieder eine neue Mission vor und lebt durch seine Visionen, denn dem Gast müsse etwas geboten werden, das er sonst nirgendwo bekommt. Er ist der vollen Überzeugung, dass man aus seinen Fehlern lernen kann und damit umzugehen. Seine große Stärke: Wenn sich Norbert Niederkofler was in den Kopf gesetzt hat, dann bringt er es auch zu Ende.

Norbert Niederkofler ist ein wichtiger Genuss-Botschafter – und zwar für alle. Er hat die Südtiroler Küche maßgeblich mitgestaltet.

Dieser Natur-pur-begeisterte Mensch ist ein wahrer Künstler in der Gourmet-Branche – gestern, heute und morgen.

 

NORBERT’S …

Lieblingswein: „Sauvignon ist einer meiner Lieblingsweine. Zu unserem „Renkentartar“ passt dieser hervorragend. Vor allem die Kombination der feinen Säure und den vielen grünen Elementen, die diese Gewächs mit sich bringt.“

Lieblingsgericht: „Da gibt es nichts Spezielles. Es hängt immer von mehreren Faktoren ab. Mir geht es immer um die Qualitätsprodukte, diese zum perfekten Zeitpunkt und am richtigen Ort einzusetzen. Somit entstehen viele Lieblingsgerichte.“

Speisen/Weinanpassung: „Es braucht immer eine Harmonie zwischen Wein und Speise. Essen kann den Wein, und der Wein kann das Essen kaputt machen. Oder beide laufen zur Hochform auf – damit gelingt die perfekte Harmonie.“

Lustigste Erinnerung: „40 Jahre in der Küche – da gibt es viele Geschichten. Die schönsten geschehen meistens nachdem sich der Service mit der Brigade zusammensetzt. Einmal am Abend nach einem längeren Trinkgelage haben wir einen Koch in einen Teppich eingerollt. Erst am nächsten Tag wurde er befreit. Wir lachten uns halbtot, das Opfer ein bisschen weniger.“

Lieblingsgäste: „Meine Familie. Meine Frau kocht aber besser als ich, deshalb überlasse ich es ihr.“

Lieblings-Kochplatz: „Mein Kochleben war reichlich ausgefüllt an Plätzen auf der ganzen Welt an denen ich gekocht habe, verbunden mit allen möglichen Schwierigkeiten. Heute ziehe ich es vor, in meiner Küche zu kochen.“

 

Norbert N.

Nach seiner Ausbildung in Südtirol durchlief Norbert Niederkofler mehrere Stationen im Ausland, so z.B. in Waiging am See bei Alfons Schuhbeck, auf Sylt bei Jörg Müller, in München bei Eckart Witzigmann, in New York bei David Bouley, in London und Zürich bei Mövenpick. Nach seinen Wanderjahren zog es ihn wieder zurück nach Südtirol, wo er seit 1994 im Relais & Châteaux Hotel & Spa Rosa Alpina in St. Kassian kocht. 1996 wurde im Hotel das Gourmet-Restaurant St. Hubertus eröffnet, das 2001 mit dem ersten, 2006 mit dem zweiten und 2017 mit dem dritten Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. 2011 erhielt er 19 Punkte (4 Hauben) im Gault-Millau.

Quelle: Wikipedia

 

Fotos: © Daniel Töchterle
Porträt & Artikel: Roman Gasser
Artikel & Interview veröffentlicht im Weinmagazin
der Sommeliervereinigung Südtirol
„Dionysos“ ©

Das Titelbild in der Ausgabe mit dem Niederkofler-Interview

Das Titelbild in der Ausgabe mit dem Niederkofler-Interview

Das Porträt von Roman Gasser im Weinmagazin „Dionysos“

 

Das Porträt von Roman Gasser im Weinmagazin „Dionysos“

Das Porträt von Roman Gasser im Weinmagazin „Dionysos“

Das Porträt von Roman Gasser im Weinmagazin „Dionysos“

Das Porträt von Roman Gasser im Weinmagazin „Dionysos“

Das Porträt von Roman Gasser im Weinmagazin „Dionysos“