„Authentisch und ehrlich“

Er ist vom Wein als Naturprodukt fasziniert, er liebt Verdicchio und Blauburgunder. Alles über den Erfinder der Vinum Hotels Hansjörg Ganthaler.

 

 

von Roman Gasser

Er ist ein Visionär und Erfinder der Gruppe „Vinum-Hotels“. Er ist Weinliebhaber vom kleinen Zeh bis in die Haarspitzen. Er ist ein Genussmensch und liebt die Kombination aus einem guten Blauburgunder mit einem schönen Kalbsfilet mit Pfifferlingen, Kartoffelespuma und einem leichten Schalottenschaum. Er ist gewillt, seinen Wissenshorizont tagtäglich zu erweitern. Er leitet Wein-Verkostungen und macht sich über Nichtraucher, die bei den Sommelier-Kursen plötzlich Zigarre rauchen, lustig.

Das DIONYSOS-Interview mir Hansjörg Ganthaler vom Hotel Muchele in Lana.

DIONYSOS: Herr Ganthaler, woher kommt Ihre Begeisterung für den Wein?

Hansjörg Ganthaler: Wein ist ein faszinierendes Naturprodukt. Ich glaube, ich bin als Säugling von der Muttermilch direkt zum Wein übergegangen. (lacht) Nein… so schlimm war’s nicht, aber ich pflege meine Leidenschaft seit über 40 Jahren, vor allem in meinen Betrieben wo ich mindestens zweimal wöchentlich Weinverkostungen abhalte und immer noch dazulerne.

Was hat Sie angetrieben, alle drei Sommelier-Kurse zu besuchen?

Weil jeder der drei Kurse verschiedene Themen aufarbeitet und ich mein jahrelang akkumuliertes Allgemeinwissen über Wein erweitern wollte. Weiters weil es generell nur Sinn macht, wenn man einen Lehrgang mit einem Diplom abschließt.

Welche Themen haben Ihnen am meisten Freude bereitet?

Interessanterweise hat mir – im Gegensatz zu vielen meiner Kollegen – die zweite Kursstufe am besten gefallen. Deswegen auch, weil die Weine der Regionen Italiens im Vordergrund standen und die Vielfalt der autochthonen Sorten Italiens weltweit einzigartig sind.

Ihr Credo zur Sommeliervereinigung?

Sehr positiv. Als Hotelier bemerke ich, dass das Niveau der Servicemitarbeiter sehr gestiegen ist – auch Dank der Sommeliervereinigung. Als Person sehe ich in ihr eine Organisation, welche sehr professionell und mit großer Hingabe durch Christine Mayr und ihren Mann Albin und den gesamten Vorstand optimal geführt wird.

„Wein ist ein faszinierendes Naturprodukt. Ich glaube, ich bin als Säugling von der Muttermilch direkt zum Wein übergegangen.“

Ihr Lieblings-Wein und tollste Speisen/ Wein-Anpassung?

Beim Weißwein Verdicchio, beim Rotwein Blauburgunder. Der Verdicchio Superiore passt zu vielen Fischgerichten. Auf Anhieb würden mir Tagliolini alle vongole lupini e moscioli selvatici di Portonovo einfallen, den Verdicchio dazu kombiniert … einfach ein Traum. Der Blauburgunder passt zu einem schönen Kalbsfilet mit Pfifferlingen, Kartoffelespuma und einem leichten Schalottenschaum. Ich bekomme schon Gelüste. (lacht)

Beim Sommelier-Kurs: Welche war Ihre lustigste oder aufregendste Erinnerung?

Es hat mich beindruckt und zum Schmunzeln gebracht, wie absolute Nichtraucher eine Zigarre pafften und dabei im Gesicht alles verdrehten, was es zu verdrehen gab. (lacht)

Auch zwei Ihrer drei Töchter, Priska und Martina, haben die Sommelier-Ausbildung gemacht. Wie wichtig war das für Sie? Sind Sie ein stolzer Vater? Sehen Sie sich als Sommlier-Familie?

Natürlich bin ich ein stolzer Vater, nicht nur weil sie Sommeliers sind. Ich habe auf keiner Weise, weder als sie die Hotelfachschule besucht haben, noch jetzt zur Sommelierausbildung Druck ausgeübt. Ihre Neugierde und Freude hat sie dazu veranlasst. Zur kompletten Sommelier-Familie fehlt nur noch die jüngste Tochter, welche auch langsam neugierig wird.

Sie sind der „Erfinder“ der Gruppe Vinum-Hotels. 29 Hotels machen bis jetzt mit. Welches Konzept wird dabei verfolgt?

Schon lange hegte ich als Weinliebhaber und Hotelier den Wunsch, eine marketing-professionell aufgebaute Struktur auf die Füße zu stellen, bei der sich vieles um Wein und Genuss dreht. Nach jahrelanger Vorarbeit in Vereinen, Verbänden usw. wurde diese Gruppe mit 29 Betrieben, die sich vor drei Jahren zu einer Hotelkooperation zusammengeschlossen haben, gegründet. Das Ziel war und ist es, die Speerspitze zu bilden von Betrieben, bei denen das Thema Wein und Genuss auf höchstem Niveau gespielt wird. Dies bedeutet für die Betriebe strenge Kriterien und Kontrollen. Nur so können wir uns von allen anderen Hotels abheben und nur so können wir den zahlreichen weinaffinen Gästen etwas Besonderes bieten.

Was können die „Vinum“-Hotels alles bieten?

Ausgezeichnete Weinkarten, professionelle Weinberatung durch verschiedene Sommeliers, vier Weinveranstaltungen wöchentlich zwischen Weinverkostungen, Weinseminare und Weinwanderungen, interessante Wein-Speisen Anpassungen, Weingerichte, Sonderaktionen und eine eigene von uns entwickelte App … und vieles mehr …

Welchen Stellenwert nimmt die Sommelier-Ausbildung in der „Vinum“-Kette ein?

Einen extrem hohen würde ich sagen. Viele unserer Hoteliere und Mitarbeiter besuchen die Kurse der Sommeliervereinigung. Wir im Muchele sind stolz darauf, von der Sommeliervereinigung Südtirols als Ausbildungsbetrieb des Jahres ausgezeichnet worden zu sein. Davon abgesehen, ist für jeden der „Vinum“-Hotels die Ausbildung zum Sommeliers fundamental wichtig.

Sie selbst sind Hotelier vom Hotel Muchele. Woher kam die Leidenschaft und wie sehen Sie sich selbst wenn Sie reflektieren …

Die Leidenschaft ist in über 40 Jahren gewachsen. Gewachsen ist auch das Niveau des Weinwissens der Gäste. Wo vor Jahren allgemeines Wissen den Gast reichte, wird man heute von kompetenten Menschen gefordert. Gut so, denn es bereitet viel Spaß mit Gleichgesinnten zu fachsimpeln und den Wissenshorizont zu erweitern.

Was macht „Muchele“ so besonders?

Unser „Muchele“ ist mit den 40 Zimmern und Suiten klein und überschaubar, wir stecken unser ganzes Herzblut in den Betrieb, und achten neben Design, echten, hochwertigen Materialien, Service und Qualität auf kleine liebevolle Details. Wir haben das Glück, sehr gute Mitarbeiter zu haben, alle leben die gleiche Philosophie, und der Mensch steht im Mittelpunkt. Somit spüren alle, und vor allem der Gast die wunderbare Atmosphäre. Wir bemühen uns täglich, das Beste zu geben. Der bleibende Wert im Leben sind nun mal Emotionen und die versuchen wir zu vermitteln. Authentisch und ehrlich.

Artikel: Roman Gasser
Artikel veröffentlicht im „Weinmagazin DIONYSOS 3/2018“ ©
Fotos: ©Privat

Das Weinmagazin der Sommeliervereinigung Südtirol „DIONYSOS“ Ausgabe 03/2018