Die Weinwisser

Zwei neue Südtiroler Weinakademiker haben es geschafft: Stefan Vannuccini und Stefan Volgger erlangten das Diplom der Weinakademie Österreich in Rust. Was die stolzen Titelträger erzählen.

 

 

von Roman Gasser

Für Weinkenner und vor allem für die, die es werden wollen, bietet die Weinakademie Österreich eine fachlich fundierte Aus- und Weiterbildung an. Die Interessenten können – je nach Wissensstand – verschiedene Ausbildungsstufen absolvieren: Neben Kurzseminaren bzw. Wine & Food Seminaren wird im Basisseminar das ABC des Weines vermittelt. Alternativ wird das Basisseminar auch in Form eines erlebnisorientierten Wochenendes als Weintutorium angeboten.

Auf das Basisseminar folgt ein Aufbauseminar 1 – Weinland Österreich mit den Schwerpunkten Weinbau, Kellerwirtschaft, Österreichische Weinwirtschaft und Weinbaugebiete sowie Verkostungstraining. Eine bestandene Abschlussprüfung des weiterführenden Aufbauseminar 2 – Wines and Spirits International, das die internationale Weinwelt zum Inhalt hat, qualifiziert für eine international ausgerichtete Ausbildung – das Weinakademiker Diploma bzw. WSET Level 4 Diploma. In Kooperation mit führenden internationalen Weininstitutionen werden in der Diploma-Ausbildung die Weine, Weinbauländer und Märkte der Welt von hochkarätigen Lektoren (darunter etliche Masters of Wine) präsentiert. Den Abschluss dieser mehrjährigen Ausbildung bildet die Graduierung zum Weinakademiker.

Sie ist auch Qualifikation zur Bewerbung zum „Master of Wine“-Kurs, der weltweit renommiertesten Ausbildung im Weinbereich. Seit kurzem dürfen sich zwei Südtiroler Weinakademiker nennen. Die stolzen Titelträger haben gebüffelt, die Prüfung bestanden und das Diplom entgegengenommen. Eine starke Leistung – erst recht, wenn man weiß, was bei der Prüfung alles abverlangt wurde. Das Interview.

DIONYSOS: Weinakademiker Vannuccini, Weinakademiker Volgger, wie klingt das? Haben Sie schon realisiert was Sie vollbracht haben?

Stefan Vannuccini und Stefan Volgger (lachen): Als Spitzname wohl eher ungeeignet. Macht sich im Curriculum bestimmt besser als im täglichen Gebrauch. Natürlich sind wir nach drei Jahren harter Arbeit sehr stolz darauf, Träger dieses renommierten Titels zu sein. Nach der Bekanntgabe der letzten Ergebnisse war eine große Erleichterung gepaart mit Stolz zu spüren.

Was hat Sie angetrieben so eine anspruchsvolle Ausbildung samt Diplom zu meistern?

Neugierde und der große Wissensdurst. Nach der Ausbildung zum Dipl. Sommelier wollten wir noch tiefer in das unglaublich umfangreiche Thema Wein eintauchen. Als wir unser Sommelier-Diplom der Sommeliervereinigung Südtirol erhielten, haben wir ziemlich schnell verstanden, dass die Weinwelt wesentlich größer, weiter und auch detaillierter ist. Uns war klar, der Weg muss da zur Weinakademie mit der WSET-Ausbildung weitergehen. Auch wenn wir am Anfang nicht wussten, was auf uns zukommen wird – vielleicht war das auch besser so (lachen).

„Als Einzelkämpfer ist diese Ausbildung kaum zu bewältigen. Der ständige Austausch untereinander und mit unseren Studienkollegen war eine wichtige Säule auf dem Weg zum Weinakademiker.“

Warum?

Es ist sehr anspruchsvoll, sich auf die einzelnen Lektionen vorzubereiten. Mehrere hundert Stunden Lernen und unzählige Verkostungen sind erforderlich, um sich das nötige Wissen anzueignen Wir konnten uns immer wieder gegenseitig motivieren. Wir haben in den letzten Jahren viele Freundschaften geschlossen und ein wertvolles Netzwerk aufbauen können. Als Einzelkämpfer ist diese Ausbildung kaum zu bewältigen. Der ständige Austausch untereinander und mit unseren Studienkollegen war eine wichtige Säule auf dem Weg zum Weinakademiker.

Der Stellenwert der Ausbildung Weinakademiker ist ein hoher. Wie wollen Sie in Zukunft diesem Auftrag gerecht werden? Was ändert sich in der Herangehensweise?

Die Graduierung zum Weinakademiker sehen wir weniger als einen Abschluss, als vielmehr einen Beginn. Die Weinwelt ist ein wachsendes und sich immer veränderndes Wissensgebiet. Wer sich nicht ständig interessiert, verkostet, weiterbildet bleibt innerhalb kurzer Zeit auf der Strecke. Es ist uns ein großes Anliegen, mit unserem Wissen andere für Wein zu begeistern. Die Herangehensweise hat sich in dieser Hinsicht geändert, dass man mittlerweile Wein an sich aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet.  Wir haben durch die Ausbildung einen viel globaleren Blick auf die Dinge erhalten.

 

Artikel: Roman Gasser
Artikel veröffentlicht im „Weinmagazin DIONYSOS 3/2018“ ©
Fotos: ©Privat

Das Weinmagazin der Sommeliervereinigung Südtirol „DIONYSOS“ Ausgabe 03/2018