Erfolgreicher Gipfel

Die Sommelier-Elite von Italien und von Südtirol war zu Gast in Meran. Eine „Quintessenz“ über die bisher wichtigste Veranstaltung in der bald 50-jährigen Geschichte der Sommeliervereinigung Südtirol.

 

 

von Roman Gasser und Albin Thöni

Über 600 Sommeliers aus allen Gegenden Italiens haben in den ersten Novembertagen anlässlich des 52. Nationalen Kongresses der italienischen Sommeliervereinigung AIS das Kurhaus von Meran bevölkert. Der nationale Präsident mit seinem vielköpfigen Ausschuss und alle Präsidenten der 22 Weinregionen Italiens, mit einer zahlreichen Abordnung sogar aus Sizilien und Sardinien, sind zum Kongress nach Meran gepilgert. Das Südtiroler Sommelier-Team mit dem gesamten Vorstand der Sommeliervereinigung und mit der stolzen Präsidentin Christine Mayr haben einen abwechslungsreichen viertägigen Kongress auf die Beine gestellt.

Der AIS-Präsident Antonella Maietta war voll des Lobes nicht nur von der reibungslosen Organisation, sondern auch von der wundervollen, freundlichen und immer lächelnden, annähernd 50 Kopf starken Servicetruppe aus Südtiroler Sommeliers, wobei er auch die fleißigen Mädchen der Maturaklasse des Sprachenlyzeums von Meran als Hilfstruppe löblich hervorgehoben hat.

Die Eröffnung des Kongresses fand am Donnerstag Abend mit einem Anteprima im Bistro Festival statt, wobei fünf Sektproduzenten mit Sepp Reiterer an der Spitze ihre Schaum-Weine aufgeschenkt haben. Der Abend wurde von Helmuth Köcher, den berühmten Wine Hunter, organisiert, der das internationale Merano WineFestival vor Jahrzehnten ins Leben gerufen und immerzu bereit ist zu neuen „Ufern“ aufzubrechen. Im November haben er und sein Team bereits das 27.ste Wein-Festival, das exklusivste Event in der internationalen Weinszene, im Kurhaus von Meran mit großer Kompetenz und Routine organisiert.

Am Freitag folgte der vielbeachtete Ausflug in die Gärten von Schloss Trauttmansdorff mit dem völlig ausgebuchten Seminar über die Raritäten der Kellerei Terlan, geleitet von Rudi Kofler, und der Vorstellung des „Versoaln“ durch Klaus Platter, sowie ein erlesenes Mittagessen mit den Weinen der Laimburg, fachkundig kommentiert von Günther Pertoll, den derzeitigen Leiter des Landesweingutes Laimburg.

Während der Generalversammlung im schmucken Kursaal mit dem suggestiven Ambiente, unter der bewährten Moderation von Markus Frings, am Samstag, den 3. November, überbrachten oder richteten die zahlreichen Ehrengäste vom Land Südtirol und der Stadt Meran die Grußworte an die Sommeliers, die alle im typischen Outfit der italienischen Sommeliervereinigung den Kursaal gefüllt hatten.

In einem besonderen Akt und unter großem Beifall überreichte der Präsident der italienischen Sommeliervereinigung, gemeinsam mit der Präsidentin aus Südtirol den Sonderpreis des Weinführers VITAE 2019 an den Obmann und den Kellermeister der Kellerei Tramin, die voller Stolz und Freude diese Auszeichnung entgegen genommen haben. Das TRIO Celeste, drei reizende Damen aus dem Eisacktal, die in Orchestern in Wien, Salzburg und Zürich spielen und singen, haben mit ihren musikalischen Intermezzos, eingangs mit der Europahymne, aufhorchen lassen.

Über den Klimawandel und seinen Einfluss auf die Weinwelt referierten die Experten Prof. Alberto Palliotti von Perugia, Barbara Raifer von der Laimburg, die Winzer und Önologen Franziskus Hass und Hartmann Donà, sowie Gianmaria Trenti von der Fondazione Mach in San Michele.

Der vielbeachtete Wettbewerb für den besten Sommelier von Italien fand im bis auf den letzten Stuhl ausgebuchten Pavillon des Fleurs statt. Nach einer äußerst spannenden Auslese wurde der Wettbewerb mit der Prämiierung von Simone Loguercio aus der Toskana am Samstagnachmittag abgeschlossen. Der Sommelierkollege Andrè Senoner aus Gröden, derzeit im Rosa Alpina als Chefsommelier tätig, wurde ausgezeichneter sechster bei 20 teilnehmenden Bewerbern aus ganz Italien.

In den 40 angebotenen Workshops, geleitet von bekannten Weinakademikern, Masters of Wine (MW) und internationalen Weinexperten, allen voran dem Geschäftsführer der Weinakademie von Rust am Neusiedler See, Josef Schuller, MW , mit einem sweetwines -Seminar aus der ganzen Welt,  und Frank Smulders, MW aus Holland, der mit „Talk about Champagne“ und „Riesling mon amour“ gleich 2 vielbeachtete Workshops geleitet hat.

Giuseppe Lauria, Chefredakteur vom WEINWISSER aus Wiesbaden und gebürtig aus Sizilien, hat mit  den Varietäten der Weingebiete Deutschlands  und dem „giro d’Italia“  die Teilnehmer begeistert. In den Workhops vieler berühmter Kellermeister sowie der Chefinnen diverser Weingüter aus Südtirol, Italien und dem deutschsprachigen Ausland, konnten Weine zumal aus Europa und der ganzen Welt unter fachkundiger Beschreibung verkostet werden. Es referierte auch Willi Klinger – vom Österreich Wein Marketing – über den Grünen Veltliner, der wichtigsten Rebsorte von Österreich; Heinz Frischengruber, der Chefkellermeister der Domäne Wachau, referierte über die berühmten Lagen und Weine der Wachau. Ferdinand Mayr & Christine Mayr, zwei Weinakademiker, stellten Österreich und Südtirol in einen direkten Kontext.

Tom Drieseberg von den Weingütern Wegeler im Rheingau und von der Mosel lies in dem von ihm geleiteten Workshop Rieslinge aus 5 Jahrzehnten aufschenken, unter anderem auch den Geheimrat „J“, den weltweit bekannten Riesling Sekt und den Riesling aus dem Jahre 1992 von der Grand Cru Lage Wehlener Sonneruhr an der Mosel, sowie eine Auslese von der berühmten Lage Bernkasteler Doctor.

Salvo Foti war extra aus Sizilien angereist um seine von der Biodynamik geprägte Philosophie mit dem Respekt für die Natur und die Weine rund um den Vulkan Ätna in Sizilien vorzustellen. Der Sonntag war durch eine Tischweinverkostung charakterisiert, an der 40 Weinbetriebe Südtirols teilgenommen haben, die alle im Weinführer VITAE 2019 ausgezeichnet worden sind.

Die Servicebrigade der Sommeliervereinigung Südtirol und der gesamte Vorstand hat fürwahr eine tolle Arbeit abgeliefert, und die Sommeliers aus ganz Italien waren begeistert und sind zufrieden nach Hause zurück gekehrt.

Als Gastbetriebe waren zusätzlich die Winzer des VDP-Baden im Kursaal vor Ort sowie die Domäne Wachau auch mit einem Grünen Veltliner Smaragd 1992 von der berühmten Riede Achleiten und vom 1000-Eimer Berg. Norbert Reinisch aus dem Piemont erlebte beim Workshop mit seinen Bricco dell’Uccellone, 2016 bis 2009, einen großen Andrang.

Kulinarische Highlights, mit dem genussvollen Abendessen im Schloss Katzenzungen und einem eleganten Galadinner im Kursaal, meisterhaft zubereitet vom Partyservice Creafood, bei dem zu den einzelnen „Gängen“ die Chefs der Weingüter persönlich ihre besten Weine aufgeschenkt und kommentiert haben, verwöhnten das Auge und die Gaumen der Gäste.  Der Auftritt der folkloristischen Schuhplattlergruppe aus Kaltern und der Sopransängerin Selma Pasternak aus Udine, elegant begleitet von Katharina Thöni auf dem Klavier, rundeten das tolle Programm ab und machten den Gala-Abend am Samstag zu einem unvergesslichen Erlebnis.

Für gute Speis und Trank sorgten während des Kongresses auch die Bäuerinnen: „Brotzeit Gsund und Guat“, mit ihren einheimischen Spezialitäten und Leckerbissen, die sie in ihrer Tracht angeboten haben. Die Besuche in verschiedenen Südtiroler Kellereien, organisiert durch das Konsortium Südtirol Wein, sowie der Brunch im Restaurant Schlosswirt FORST samt Bierverkostung waren ein willkommener Anlass für die Gäste aus ganz Italien Land und Leute kennen zu lernen. Eine zentrale Rolle spielten dabei die Südtiroler Weine und die Südtiroler Weinkultur.

Die Servicebrigade der Sommeliervereinigung Südtirol und der gesamte Vorstand hat fürwahr eine tolle Arbeit abgeliefert, und die Sommeliers aus ganz Italien waren begeistert und sind zufrieden nach Hause zurück gekehrt.

Ein besonderer Dank gilt unseren Sponsoren, dem Land Südtirol, der Kurverwaltung Meran, der Gemeinde Meran, allen Referenten, den teilnehmenden Weinproduzenten, den Sekterzeugern aus Südtirol, dem Schutzkonsortium St. Magdalena, wein.kaltern, Pur Südtirol, der Abordnung der Genussbotschafter, die „Marlene“ Äpfel, Südtiroler Speck g.g.A., Stilfser Käse g.U. und Schüttelbrot zur Verkostung dargeboten haben.

Ohne unsere aktiven Sommeliers und die Schülerinnen hätte der Kongress nicht reibungslos funktionieren können: deshalb gilt ihnen allen ein kräftiges Dankeschön vom Vorstand der Südtiroler Sommeliervereinigung.

In diesem Sinne: Sommelier sein zu dürfen ist Kult und wird es bleiben.

 

Artikel: Roman Gasser
Artikel veröffentlicht im „Weinmagazin DIONYSOS 4/2018“ ©
Fotos: ©Anna Cerrato (im Auftrag von der Sommeliervereinigung Südtirol)

Das Weinmagazin der Sommeliervereinigung Südtirol „DIONYSOS“ Ausgabe 04/2018